SELECT * FROM bilder WHERE bpub=true and btid=97 order by bsortierung
Die Auflage des Kalender "undatiert" für 2014 ist vergriffen. Für das Kalenderprojekt 2015 können Sie sich unter kontakt@michael-lange.net vormerken lassen.
Kunst ist ein Menschenrecht, geschaffen für die, die es begehren. Im ganzen Leben strebt man doch eigentlich nur danach, sich selbst zu finden, sich seiner selbst bewußt zu werden. Kunst kann in diesem wichtigen Prozess eine große Rolle spielen. Das Bild als Sinnbild der Suche nach dem eigenen Selbstverständnis, ist eine mögliche Art der Emanzipation im Denken und zwar durch das Sehen. „…und als ich mich selber trank, war ich zum Schauen erwacht. Da fiel mir Leben zu.“, schrieb Ingeborg Bachmann in ihren Tagebüchern. So ist es wohl auch möglich, dass sich ein Gegenstand in eine Landschaft verwandeln kann, dass äußere Ansichten sich in inneren Einsichten spiegeln. Kunst und Leben zu verbinden, liegt nahe. Zweifellos gehört es zu den anspruchvollsten Neigungen von Künstlern, sich den individuellen Grenzbereichen von Erscheinung und Wesen formend zu nähern, d.h. die Außenhaut transparent zu machen. -2-
Wie Zustandsbeschreibungen der Seele lesen sich die inszenierten Spurensicherungen von Michael Lange, dem Dramaturgen von phantastischen Stillleben. „Undatiert“ nennt er selbstbewußt seine Folge von Kalenderblättern und das macht Sinn. Es ist eine Gabe, aus der Gegenwart heraus, die Ewigkeit zu berühren. Das vermag Michael Lange mit seinen Fotoarbeiten. Die von Gebrauchs- und Altersspuren charaktervoll geprägten Gegenstände (Zinkblech mit Farbspuren, Spaten, Wassereimerhenkel, rostige Emailleschilder, ausrangierte Propeller…) aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, neu arrangiert, lassen uns Zeit als Lebens-Maß vergessen. Man wird mitgerissen von der Farbkultur, den strukturierten Oberflächen, der Ästhetik des Verfalls, der Poesie, die über allem schwebt und entdeckt für sich selbst Geschichten, die man sich so noch niemals erzählt hat, entdeckt verwunschene Landschaftsräume, weite Horizonte. -3-
Michael Lange stellt als Fotograf seit Jahren dem Eigenleben von Dingen nach, ergründet deren Phänomenologie. Phantasieanregende, surreale Zusammenstellungen belegen das Talent des Fotografen, einfühlsam mit der Kamera sein Welttheater in monumentaler Nahsicht ins rechte Licht zu rücken. Die bisherige nahezu barocke Opulenz seiner Inszenierungen weicht nunmehr einer wohl kalkulierten Reduktion, die nicht ablenkt von der Strahlkraft einer beindruckenden intensiven Farbkultur und dem sinnlich ästhetisches Potential der Zusammenstellungen. Am Ende jeden Jahres ist man eher dazu geneigt, sein Leben zu analysieren, Pläne zu schmieden, Ballast abzuwerfen, Verfehlungen zu vergeben, einfach näher zusammenzurücken und zu träumen. Die fotografischen Kostbarkeiten von Michael Lange schenken uns Vertrauen in uns selbst und verleiten uns mit sinnlicher Verführungskunst zum Gang ins Geheimnisvolle und Unbekannte, wo erstaunliche Visionen und wunderbare Utopien auf uns warten… Karin Weber, Dipl.-Kunstwissenschaftlerin, Dresden 2013

Fotograf Michael Lange, Schulweg 3, 01731 Quohren (bei Dresden), Telefon: +49 (0) 172 35 25 119, Telefax: +49 (0) 35 20 63 95 59, E-Mail: