SELECT * FROM bilder WHERE bpub=true and btid=100 order by bsortierung
Zum weltgrößten Kalenderwettbewerb wurden dieses Jahr 987 Kalender aus Deutschland, dem europäischen Ausland sowie aus Japan und Israel ein­ge­reicht. Mein Kalender "verortet " erhielt die Auszeichnung AWARD OF EXCELLENCE
verortet / Unser ganzes Leben wird von Grenzen bestimmt, von scheinbaren Antagonismen, Gegensätzen, die wir in dieser oder jener Form überwinden: Grenzen zwischen dem Ich und dem Du, zwischen Innen und Außen, Individuum und Gesellschaft, Traum und Wirklichkeit, Leben und Tod, Jugend und Alter, Distanz und Nähe, Tag und Nacht, Dichtung und Wahrheit. Angesichts der sinnlichen Farbmaterie der fotografischen Dinginszenierungen von Michael Lange, die den unvermeidlichen Duft von Vergänglichkeit und Neubeginn atmen, ahnt man, dass er in diesen seinen Geschichten fließender Grenzüberschreitungen verortet ist, sich eingewurzelt hat. Man schaut, fühlt sich umschmeichelt, ja geborgen und erinnert sich an Orte, wo man etwas erahnte von der so viel beschworenen Leichtigkeit des Seins. -2-
Unversehens verwandelt man sich von einem flüchtigen, zu einem gebannten Betrachter und folgt aufmerksam der Spur, die Michael Lange ausgelegt hat und sie führt weg von kunsthistorischen Vergleichen. Sie führt uns zu uns selbst, zu etwas, das uns bekannt vorkommt und doch mit Worten kaum zu beschreiben ist. „Ein Bild muss nicht erfunden, sondern empfunden werden“, war der Leitsatz von Caspar David Friedrich. Er hoffte und war zugleich der festen Überzeugung, dass „jedes Bild mehr oder weniger eine Charakterstudie dessen (ist), der es malt, und keiner ist Maßstab für alle, jeder nur Maßstab für sich und für die mehr oder weniger ihm verwandten Gemüter.“ Nicht anders verhält es sich bei dem zeitgenössischen Romantiker Michael Lange, der vor allem ein Augenmensch ist, der patinierte Gegenstände, Fundstücke neu verortet, zum Leben erweckt und mit einer Leichtigkeit, Strukturen und Harmonien schafft, die den Betrachter anregen, sich assoziierend an sie mit Hingabe zu verlieren. - 3 -
So verschmelzen innere und äußere Landschaften, in die das Sehen seine Spuren gräbt, das Wahrnehmen, das von eigener Erfahrung und Wunschvorstellung geprägt ist. Licht verlebendigt die fotografierten Inszenierungen und verleiht ihnen eine sehr eigenständige Poesie. Alles scheint möglich, wenn auf rostiger Horizontlinie eine Landschaft entsteht. Mit sicherer Hand arrangiert Michael Lange auf spurenreichen geborstenen oder gefalteten Zinkblech, oxidierte Kupferplatten, alte Tapetenreste und Buchrücken Pflanzen: Wasserhyazinthe, Stechapfel, Seerose, Sumpflieb, Silberblatt, Geweihfarn, Igelpolster, Orchideen und die Mondviole. Üppiger Anordnungen entsagt der Fotograf nunmehr. Es handelt sich um raffinierte, streng komponierte, farbig faszinierende, perfekt ausgeleuchtete sinnliche Ereignisräume, die die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, Endlichkeit und Ewigkeit aufheben. -4-
Phiolen,lateinisch fiola, waren übrigens Glasgefäße, in denen in der Antike auch Tränen aufbewahrt wurden. Hier sind es wohl die somnambulen Träume, die sich verortet haben in der Mondviole, dem Igelpolster, dem Stechapfel… Karin Weber, Dipl.Kunstwissenschaftlerin, Dresden 2014

Fotograf Michael Lange, Schulweg 3, 01731 Quohren (bei Dresden), Telefon: +49 (0) 172 35 25 119, Telefax: +49 (0) 35 20 63 95 59, E-Mail: